Klasse 1
VerbotenUnannehmbares Risiko
Social Scoring, biometrische Echtzeit-Fernidentifikation, Emotionserkennung am Arbeitsplatz, unterschwellige Manipulation. Für die meisten KMU nicht relevant – außer bei HR- oder Überwachungssystemen.
Leitfaden · Stand April 2026
Der EU AI Act ist kein Projekt, das Sie einmal abarbeiten. Er ist eine dauerhafte Governance-Aufgabe – in der Liga von DSGVO oder ISO 9001. Dieser Leitfaden erklärt Fristen, Risikoklassen und Ihre konkreten Pflichten. Am Ende finden Sie auch einen Weg, diese Aufgabe nicht alleine tragen zu müssen.
Compliance · Stichtage 2026
EU AI Act 2026, DSGVO, Artikel 4 und RTR - in jedem Mandat als Voreinstellung enthalten, nicht als Zusatzbaustein.
0160-Sekunden-Zusammenfassung
Ja, der EU AI Act betrifft auch Ihr kleines Unternehmen – aber er ist für die meisten KMU deutlich weniger dramatisch, als es klingt.
02Zeitachse
| Datum | Status | Was gilt |
|---|---|---|
| 2. Februar 2025 | In Kraft | Verbote + KI-Kompetenzpflicht Verbotene KI-Praktiken (Art. 5) und Artikel-4-Schulungspflicht für alle, die KI einsetzen. |
| 2. August 2025 | In Kraft | GPAI-Anbieter-Pflichten Pflichten für Anbieter generischer KI-Modelle (OpenAI, Anthropic, Google). Für KMU-Anwender nicht relevant. |
| 2. August 2026 | Kritisch | Transparenz + Strafvorschriften KI-generierte Inhalte müssen gekennzeichnet werden. Strafvorschriften greifen. KI-Sandbox in Österreich startet. |
| 2. Dezember 2027 | Digital Omnibus | Hochrisiko nach Anhang III Eigenständige Hochrisiko-Systeme (HR-Tools, Kreditscoring etc.). Verschoben durch Digital Omnibus. |
| 2. August 2028 | Digital Omnibus | Hochrisiko nach Anhang I In Produkte eingebettete Systeme (Medizingeräte, Maschinen). Verschoben durch Digital Omnibus. |
Für die meisten KMU ist der 2. August 2026 das relevante Datum. Nicht weil an diesem Tag Prüfer an der Tür klingeln – sondern weil ab dann Transparenzpflichten greifen, Strafvorschriften in Kraft treten und die RTR KI-Servicestelle aktiv prüfen kann.
03Risikoklassen
Der AI Act reguliert nicht Technologie, sondern Einsatzzweck. Jedes KI-System muss nach seinem konkreten Anwendungsfall eingestuft werden.
Klasse 1
VerbotenSocial Scoring, biometrische Echtzeit-Fernidentifikation, Emotionserkennung am Arbeitsplatz, unterschwellige Manipulation. Für die meisten KMU nicht relevant – außer bei HR- oder Überwachungssystemen.
Klasse 2
Streng reguliertHR-Tools mit Bewerber-Screening, Kreditscoring, kritische Infrastruktur, Medizinprodukte, Bildungs- und Justizsysteme. Wer ein automatisiertes Bewerber-Screening einsetzt, ist Betreiber eines Hochrisiko-Systems.
Klasse 3
TransparenzpflichtenChatbots, Voice Agents, KI-generierte Inhalte, Deepfakes. Nutzer müssen erkennen, dass sie mit einer KI interagieren. KI-generierte Inhalte werden gekennzeichnet. Die Klasse, in der die meisten KMU-Anwendungen liegen.
Klasse 4
Keine PflichtenRechtschreibprüfung, Übersetzungs-Tools, Spam-Filter, KI-gestützte Empfehlungssysteme im E-Commerce. Die überwiegende Mehrheit aller KI-Alltagsanwendungen. Keine zusätzlichen AI-Act-Pflichten.
04Artikel 4
Wer
Alle Mitarbeiter, die KI-Systeme einsetzen – faktisch fast alle Büroangestellten.
Was
Nachweisbare KI-Kompetenz: Grundlagen, Risiken, unternehmensspezifische Nutzungsregeln.
Dokumentation
Schulungsnachweise mit Datum, Inhalten und Teilnehmern. Einmalig reicht nicht – regelmäßige Auffrischung ist Pflicht.
Artikel 4 EU AI Act verpflichtet Unternehmen, die KI-Systeme betreiben, dafür zu sorgen, dass ihre Mitarbeiter die Systeme sachgerecht verstehen. Das Gesetz nennt das „KI-Kompetenz“ (AI literacy).
Wichtig: Die Schulung darf pragmatisch sein. Eine 45-Minuten-Einführung plus unternehmensspezifische Nutzungsrichtlinie reicht für die Grundkompetenz der meisten Rollen. Tiefergehende Schulungen für Power-User (z. B. Datenanalysten oder Entwickler) müssen separat nachweisbar sein.
Die Durchsetzung läuft über die RTR KI-Servicestelle und wird typischerweise im Rahmen anderer Audits (DSGVO, IT-Security) mitgeprüft. Wer heute noch keine Schulungsnachweise hat, sollte das für 2026 nicht mehr aufschieben.
05Bußgelder
Die Höchststrafen klingen dramatisch. Für KMU gilt jeweils der niedrigere Betrag – aber bereits das kann existenzgefährdend sein.
€35 Mio.
Höchststrafe bei Einsatz verbotener KI-Praktiken (Art. 5). Für KMU gedeckelt auf den niedrigeren Betrag.
€15 Mio.
Strafe bei Verstößen gegen Pflichten aus dem AI Act (ausgenommen Art. 5 und Falschangaben).
€7,5 Mio.
Strafe bei Falschangaben gegenüber Aufsichtsbehörden. Für KMU gilt immer der niedrigere Wert.
067-Schritte-Checkliste
Schritt 01
Schritt 02
Schritt 03
Schritt 04
Schritt 05
Schritt 06
Schritt 07
07Österreich-Spezifika
Die österreichische Aufsichtsbehörde für den AI Act. Bis Juli 2026 primär Beratung, ab August 2026 auch Prüftätigkeit. Kostenlose Orientierungsgespräche für KMU.
Ab August 2026 – regulatorische Sandbox nach EU-Vorgabe. KMU mit prioritärem Zugang, kostenfrei. Entwicklung von Hochrisiko-Systemen unter Aufsicht.
Vereinfachte Dokumentation, gedeckelte Bußgelder (niedrigerer Betrag aus Fix oder Prozent), geförderte Sandbox-Teilnahme.
08FAQ
09Quellen
Hinweis: Gloriane ist keine Rechtskanzlei. Dieser Leitfaden ersetzt keine juristische Beratung. Bei Detailfragen verweise ich auf WKO, RTR oder Fachanwälte für IT- und Datenschutzrecht.
Nicht alleine durch die Umsetzung
Ich führe als externer KI-Vorstand die Governance-, Strategie- und Umsetzungsarbeit für ausgewählte Mittelstandsbetriebe in Österreich. EU-AI-Act-Compliance ist dabei einer von mehreren Bausteinen – aber oft der Einstieg. Alternativ gibt es das EU-AI-Act-Compliance-Paket: 4 Wochen, €9.500, Mindest-Dokumentation bis 2. August 2026.